Allerdings nennt man mich wegen meiner Statur und meines
enorm beeindruckenden Aussehens, Rufus!
Also, um von vorne anzufangen, ich wurde in Worpswede,
besser hinter Worpswede, in einem kleinen Dorf auf einem Ponnyhof, geboren.
Natürlich nicht allein, sondern , wie es sich für einen
richtigen Labrador gehört, mit sieben Geschwistern. Genau genommen, einer
Schwester und sechs Brüdern.
Ich sage Euch, da war was los.
Wir haben mit Mama zusammen in einer Pferdebox gewohnt und
hatten, zwischen durch, die ganze Diele zur Verfügung. Das war natürlich
unheimlich interessant mit all dem Zeug, das da rum stand.
Ab und zu kamen auch mal ein paar Leute vorbei und standen
dann ganz dumm da und gaben immer so
komische Töne von sich , wie: „Ach wie süß“ und „Oh wie niedlich“.
Für wie blöd halten die uns eigentlich?
Na ja, nichts desto Trotz, mein Frauchen war auch öfter da
und irgendwann fing sie an mich mit Rufus zu locken. Und ich Blödmann hab auch
noch drauf reagiert.
Das war mein Fehler, denn schon hatte ich mich reingeritten.
Die bekam ich nicht mehr los.
Und Ratz Fatz, kaum war ich neun Wochen alt, stand sie
wieder vor der Tür um mich mitzunehmen.
Ihr Mann war auch dabei. Einer musste ja fahren.
Mich hat man dann logisch, ohne mich vorher zu fragen, auf
ihren Schoß gesetzt und ab ging die Post.
Am Anfang fand ich das ja ganz witzig, aber später war mir
das doch zu lang und ich habe klar gemacht,
durch herzzerreißendes Jaulen , dass das eine Unverschämtheit sonder Gleichen
ist.
Das scheint denen aber nichts ausgemacht zu haben, die sind
trotzdem weiter gefahren.
Na ja, irgendwann hielt das Auto dann und wir stiegen aus.
Gut, hab ich mir gedacht, jetzt kommt der große
Empfangsbahnhof.
Aber nichts der Gleichen!
Nicht mal diese Aisha, von der sie mir dauernd, als lieber
Tante, vorgeschwärmt hatten, war zu sehen.
Ich bin dann ganz vorsichtig den Flur entlang marschiert,
Vorsicht ist nämlich die Mutter der Porzellankiste, das hat uns unsere Mutter
beigebracht und da stand sie, die Tante!
Lauernd und gar nicht so freundlich, wie man mir
immer erzählt hat.
Und von dem fauchenden Kater hatten sie mir auch
nichts gesagt.
Ich bin aber ein fröhlicher und aufgeschlossener Typ und hab
mir also nicht viel dabei gedacht. Bin freundlich zu ihr hin und wollte auf
Hunde Art guten Tag sagen.
Das hat sie anscheinend nicht verstanden, deshalb hab ich
das Ganze noch einmal wiederholt.
Offensichtlich ist sie schwerhörig.
Aber das mit der Wiederholung fand sie irgendwie nicht gut.
Auf einmal haut die aus und trifft mich genau an meiner Nase. Das hat sofort
geblutet und ich hab natürlich ein Mords Gezeter daraus gemacht, um gleich zu
zeigen wie schlecht die Welt hier ist.
Seit dem geh’ ich der blöden Kuh aus dem Weg.
Jetzt lauert sie von ihrem Platz aus und sieht immer zu mir
rüber.
Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Das ist mir doch
noch ein bisschen ungeheuerlich.
Aber die krieg ich auch noch!
Das wär’ doch gelacht, schließlich hat noch keine meinem
Charme lange widerstanden.
Also den ersten Tag, sprich Nachmittag, haben wir ganz gut
rum gekriegt.
Später kamen dann noch die beiden Kinder des Hauses, die
eigentlich keine mehr sind, weil schon
17 und 19 Jahre, in die Küche.
Die hab ich ganz schön aufgemischt.
Am Abend hatte ich den Eindruck, dass die alle gut bettreif
waren.
Ich muß natürlich auch zugeben, wenn ich ehrlich bin, dass
ich hundemüde war.


tolle Geschichte und später mal eine schöne Erinnerung
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