Mittwoch, 7. Mai 2014

Hallo, ich bin Caruso, Caruso von Nordsode!

Allerdings nennt man mich wegen meiner Statur und meines enorm beeindruckenden Aussehens, Rufus!
Was mir, ich will nicht eingebildet erscheinen, auch zu recht zusteht.

Also, um von vorne anzufangen, ich wurde in Worpswede, besser hinter Worpswede, in einem kleinen Dorf auf einem Ponnyhof, geboren.
Natürlich nicht allein, sondern , wie es sich für einen richtigen Labrador gehört, mit sieben Geschwistern. Genau genommen, einer Schwester und sechs Brüdern.
Ich sage Euch, da war was los.
Wir haben mit Mama zusammen in einer Pferdebox gewohnt und hatten, zwischen durch, die ganze Diele zur Verfügung. Das war natürlich unheimlich interessant mit all dem Zeug, das da rum stand.

Ab und zu kamen auch mal ein paar Leute vorbei und standen dann ganz dumm da und gaben  immer so komische Töne von sich , wie: „Ach wie süß“ und „Oh wie niedlich“.
Für wie blöd halten die uns eigentlich?

 
Na ja, nichts desto Trotz, mein Frauchen war auch öfter da und irgendwann fing sie an mich mit Rufus zu locken. Und ich Blödmann hab auch noch drauf reagiert.
Das war mein Fehler, denn schon hatte ich mich reingeritten.
Die bekam ich nicht mehr los.

Und Ratz Fatz, kaum war ich neun Wochen alt, stand sie wieder vor der Tür um mich mitzunehmen.
Ihr Mann war auch dabei. Einer musste ja fahren.
Mich hat man dann logisch, ohne mich vorher zu fragen, auf ihren Schoß gesetzt und ab ging die Post.

Am Anfang fand ich das ja ganz witzig, aber später war mir das doch zu lang und ich habe  klar gemacht, durch herzzerreißendes Jaulen , dass das eine Unverschämtheit sonder Gleichen ist.
Das scheint denen aber nichts ausgemacht zu haben, die sind trotzdem weiter gefahren.

Na ja, irgendwann hielt das Auto dann und wir stiegen aus.
Gut, hab ich mir gedacht, jetzt kommt der große Empfangsbahnhof.
Aber nichts der Gleichen!
Nicht mal diese Aisha, von der sie mir dauernd, als lieber Tante, vorgeschwärmt hatten, war zu sehen.

Ich bin dann ganz vorsichtig den Flur entlang marschiert, Vorsicht ist nämlich die Mutter der Porzellankiste, das hat uns unsere Mutter beigebracht und da stand sie, die Tante!

Lauernd und gar nicht so freundlich, wie man mir immer erzählt hat.



Und von dem fauchenden Kater hatten sie mir auch nichts gesagt.

 

Ich bin aber ein fröhlicher und aufgeschlossener Typ und hab mir also nicht viel dabei gedacht. Bin freundlich zu ihr hin und wollte auf Hunde Art guten Tag sagen.
Das hat sie anscheinend nicht verstanden, deshalb hab ich das Ganze noch einmal wiederholt.
Offensichtlich ist sie schwerhörig.

Aber das mit der Wiederholung fand sie irgendwie nicht gut. Auf einmal haut die aus und trifft mich genau an meiner Nase. Das hat sofort geblutet und ich hab natürlich ein Mords Gezeter daraus gemacht, um gleich zu zeigen wie schlecht die Welt hier ist.

Seit dem geh’ ich der blöden Kuh aus dem Weg.

Jetzt lauert sie von ihrem Platz aus und sieht immer zu mir rüber.
Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Das ist mir doch noch ein bisschen ungeheuerlich.
Aber die krieg ich auch noch!
Das wär’ doch gelacht, schließlich hat noch keine meinem Charme lange widerstanden.
 
Also den ersten Tag, sprich Nachmittag, haben wir ganz gut rum gekriegt.
Später kamen dann noch die beiden Kinder des Hauses, die eigentlich keine mehr sind, weil  schon 17 und 19 Jahre,  in die Küche.
Die hab ich ganz schön aufgemischt.

Am Abend hatte ich den Eindruck, dass die alle gut bettreif waren.
Ich muß natürlich auch zugeben, wenn ich ehrlich bin, dass ich hundemüde war.




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